1.8.08

Warum gelten Platon, Nietzsche oder Habermas, allgemein, als Philosophen?

Das folgende Dialog orientiert sich an einer realen Diskussion, mit dem User sw, im Philosophie Forum : Grundlagen der Philosophie:

Mulmi: Wenn es tatsächlich so sein sollte, wie du sagst, und es keine Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Philosophien gibt bzw geben kann, dann frage ich mich: Warum gibt es dann, überhaupt, den Begriff Philosophie?

Warum werden Platon, Nietzsche oder Habermas als Philosophen bezeichnet, und, warum finden sich ihre Namen, in diversen Lexika, STETS, in der Rubrik Philosophie - und nicht unter der Rubrik 'Große Meister der Kochkunst'?

Warum, wird an unseren Schulen Philosophie unterrichtet?

Und warum bezeichnet man es als persönliche Lebensphilosophie, wenn man, zB, die Anwendung von körperlicher Gewalt, prinzipiell, ablehnt?

Was meinst du?

Und vor allem: Was verstehst DU, unter Philosophie?

sw: Bitte genau zuhören!
Ich habe nicht gesagt, dass es keine Gemeinsamkeiten zwischen den Philosophien gibt.

Du kannst Unmengen von Gemeinsamkeiten und Parallelen zwischen Philosophien finden.
Auch Ähnlichkeiten.
'Das Verbindende'. Da wirst Du vermutlich nie fertig.

Ich glaube nicht, dass es 'DIE Gemeinsamkeit' zwischen Philosophien gibt. Also eine 'absolute' Gemeinsamkeit.

Du hattest gefragt (Zitat Mulmi): 'Meine Frage lautet daher: Was ist es, das, ausnahmslos, ALLEN Philosophien gemeinsam ist?' (siehe dazu: Beweis-Was-ist-Philosophie Nr. 1 : Das Gemeinsame ALLER Philosophien, ist weder die Liebe zur Weisheit noch ist es die Suche nach Wahrheit und nach Wirklichkeit (verf: 14.2.2008/ K-L-A-F-Bl/ Lexikon: Philosophie, Wahrheit, Wirklichkeit))

Meine Antwort lautet: Vielleicht, ist das allen Philosophien Gemeinsame, dass man sie nicht wirklich (letztlich) voneinander trennen kann.
Aber das, beantwortet wohl nicht Deine Frage, die eher nach 'etwas Bestimmten' fragt.
Richtig?

Ich denke, man nennt die Menschen nach ihren Taten, bzw. Tätigkeiten.
So wie man einen Bäcker nach seinem Handwerk nennt oder einen Maler nach seiner malerischen Tätigkeit, so würde man auch jemanden der sich lange mit dem Thema Philosophie beschäftigt - und dieses eben auch selbst betreibt - wohl Philosoph nennen.

Und um ein großer Meister der Kochkunst zu sein, bedarf es wohl durchaus einer gewissen Philosophie (z.B. 'nur die besten Zutaten', etc.).

Dein Anspruch war aber ein anderer.
Du wolltest eine allgemeingültige Definition für Philosophie.
Du selber nimmst aber eine Abgrenzung vor... indem Du sagst: Philosophen sind keine Köche, oder große Meister der Kochkunst.

Ich sage daher: Warum sollen Philosophen nicht auch beim Kochen das Universum ergründen?
Vielleicht, kommt man da ja auf die besten Ideen?

Ich jedenfalls finde die Philosophie viel zu 'komplex', um sie allgemein-gültig zu 'beschränken'.

Mulmi: Du missverstehst mich.

Ich habe nie behauptet, dass Köche keine Philosophen sein können, noch habe ich die Sichtweise vertreten, dass Kochen nicht auch etwas Philosophisches sein kann.

Es gibt eine Reihe, sehr interessanter Gastrophilosophen :-)

Im Grunde, kann man von allem und jedem, zum Philosophieren, inspiriert werden, und man kann, im Grunde, über alles philosophieren!
Nicht umsonst wird, in vielen gängigen Definitionen von Philosophie - siehe zB: http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie -, dezidiert darauf hingewiesen, dass der Gegenstandsbereich der Philosophie ein allgemeiner und damit, ein nicht-begrenzter ist.

Meine Frage(n) an dich, zielte(n) jedoch in eine andere Richtung.
Ich habe dich nämlich gefragt, warum zB Platon, Nietzsche oder Habermas, ALLGEMEIN, als Philosophen bezeichnet werden, und warum ihre Namen, in diversen Lexika, REGELMÄßIG, unter der Rubrik Philosophie zu finden sind - und nicht, zB, unter der Rubrik 'Große Meister der Kochkunst' ?

Über die Gastronomischen-Fähigkeiten eines Platons, Nietzsches oder Habermas wissen wir annähernd so wenig, wie über jene von Epikur, Hume oder Mach.
Und daher ist davon auszugehen, dass es nicht die Liebe zur Kochkunst ist, die diese Persönlichkeiten eint, und die, primär, dafür verantwortlich zeichnet, dass sie, in diversen Lexika, als Philosophen gelten.

Die Liebe zum Kochen ist somit nicht, notwendigerweise, etwas Typisch-Philosophisches.
Und ein Koch muss nicht, unbedingt, ein Philosoph sein.
ABER: Die Liebe zum Kochen, KANN zum Philosophieren führen, und sie KANN etwas Philosophisches sein.
Und ebenso KANN auch ein Koch, ein Philosoph sein.

Und wieder stellt sich mir die Frage: Was ist denn nun das Eigentlich-Philosophische, am Philosophieren?
Und warum gilt jemand - wie Platon, Nietzsche, Habermas, Epikur, Hume oder Mach -, ALLGEMEIN, als Philosoph?

Eine mögliche Antwort hast du ja bereits gegeben, als du meintest, dass Menschen, unter anderem, nach ihrem Tun benannt werden.
DOCH: Deine Antwort, weist einen kleinen Schönheitsfehler auf.
DENN: Aus ihr geht nämlich in keinster Weise hervor, was denn nun das Charakteristische, das Einzigartige ist, am Thema Philosophie.
Und da du, ebenfalls, nicht darauf eingehst, worin sich nun das Tun eines Philosophen, typischerweise, von anderem Tun - wie zB dem für einen Bäcker oder Maler Typischen-Tun -, unterscheidet, erfährt man aus deiner Antwort, letztendlich, leider auch nicht mehr, als dass ein Philosoph jemand ist, der sich für etwas interessiert, das sich Philosophie nennt, und dass er das, was sich Philosophie nennt, auch betreibt.

Was allerdings Philosophie konkret ist, und warum Persönlichkeiten wie Xenophanes oder Hegel, ALLGEMEIN, als Philosophen gelten, bleibt LEIDER auch weiterhin unklar, und unbeantwortet...

Kommentare:

Greeven hat gesagt…

Die Philosophie. Die Liebe zur Weisheit. Ist nicht genau das die gesuchte Gemeinsamkeit? Die Liebe zur Weisheit ist doch die Liebe darüber etwas zu Wissen. Dort versteckt sich auch das gemeinsame Werkzeug aller Philosophien: Die Frage und die Antwort. Das Fragen und das Antworten.

Die Philosophie des Kochens ist ein "Bild" vom Kochen. Angesammeltes Wissen über das Kochen.
Wie ist es entstanden? Genauso wieder dieser Satz.

Mulmi hat gesagt…

Dass die Liebe zur Weisheit das Gemeinsame aller Philosophien ist, ist sicherlich eine sehr weit verbreitete Sichtweise.
Ich bezweifle jedoch, dass diese Sichtweise zutreffend ist!
DENN: Nicht jeder, der über eine eigene Philosophie verfügt, besitzt diese aufgrund von Liebe zur Weisheit.

Nimm als Beispiel die Philosophien diverser rechtsradikaler Parteien.
Diese sind, mit Bestimmtheit, kein Ausdruck von Weisheit.
Aber auch eine Firmen-Philosophie, die einzig auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, ist weder aus Liebe zur Weisheit geschaffen worden noch ist sie weise.
Und eine Persönliche-Philosophie, die einzig auf egoistischen Motiven aufbaut, ist ebenfalls nur schwerlich als weise einzustufen.

Die Definition, dass Philosophie Liebe zur Weisheit ist, erfasst nicht alle Philosophien und ist somit nicht für alle Philosophien zutreffend.
Und da diese Definition, NACHWEISLICH, nicht alle Philosophie erfasst, beschreibt und erfasst sie das PHÄNOMEN Philosophie NICHT im zutreffenden Maße!

Ich weiß: Dass griechische philosophia bedeutet, ins Deutsche übertragen, 'Liebe zur Weisheit' (siehe: http://de.wiktionary.org/wiki/Philosophie).

Der erste, der sich selbst als Weisheitsliebenden und seine persönlichen Sichtweisen als philosophia bzw Philosophie bezeichnet hat, war vermutlich Pythagoras (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoras).

Namen und Bezeichnungen, werden aus den unterschiedlichsten Gründen verliehen - und manche Namen und Bezeichnungen werden durchaus deshalb gewählt, da sie schön und eindrucksvoll klingen.
Und es klingt ja auch durchaus eindrucksvoll, sich selbst als Weisheitsliebenden und die eigenen Sichtweisen als Liebe zur Weisheit zu bezeichnen - wie dies Phythagoras getan hat.
Doch Namen und Bezeichnungen müssen nicht - so sie eine eigene Bedeutung haben - unbedingt zu dem passen, das sie benennen/ bezeichnen (sollen).

Die Gründe etwa, WARUM Pythagoras für seine Sichtweisen den Namen philosophia gewählt hat, sind nicht (mehr) bekannt.
Als sicher kann allerdings gelten, dass nicht alles, das ER als weise einstufte, tatsächlich auch weise war!

Wenn aber das Phänomen, das allgemein mit dem Namen Philosophie bezeichnet wird, allgemein, keine Liebe zur Weisheit ist: Wie könnte man dann dieses Phänomen besser, und vor allem zutreffender beschreiben/ definieren?

LG Mulmi

Greeven hat gesagt…

Man bleibt bei "Liebe zur Weisheit.". Mit Weisheit verbindet man jemanden der weise ist. Das kann zu missverständnissen führen. Deutlicher wird es, wenn man die Definition so beschreibt: Drang zum Wissen.
Worum es mir geht ist, dass es das Antworten und Fragen ist, was jede Philosophie gemein hat. Jede Philosophie häuft Wissen an. Wie man das nun genau formuliert..

Mulmi hat gesagt…

Hallo greeven

Es geht mir nun wahrlich nicht darum unbedingt und unter allen Umständen zu widersprechen.
Worum es mir PRIMÄR geht, ist, das Phänomen Philosophie möglichst klar und allgemeingültig zu beschreiben bzw zu definieren.
Und da nicht ALLE Philosophien ein Ausdruck von Weisheit sind und nicht ALLE Philosophien Weisheit, als Ziel, anstreben, trifft die Definition, dass Philosophie Liebe zur Weisheit ist, zwar - zugegebenermaßen - auf eine ziemlich große Zahl von Philosophien zu - ABER: eben nicht auf ALLE!

Doch auch dein Vorschlag, dass ALLE Philosophien Wissen anhäufen, beschreibt das Phänomen Philosophie NICHT ausreichend.
DENN:
1.: Um eine, wie auch immer geartete Philosophie zu schaffen, bedarf es zuallererst Wissens.
Oder: Anders ausgedrückt: Ohne entsprechendes Vor-Wissen, keine, wie auch immer geartete Philosophie!

Und daher ist das Sammeln/ das Anhäufen von Wissen nichts, das ausschließlich typisch wäre für (die) Philosophie.

Auch Babys oder Tiere sammeln Wissen - deshalb alleine sind sie jedoch weder Philosophen noch philosophieren sie.

und 2.: Nicht alle Philosophien, führen zu zusätzlichem Wissen.

Beispiel:
Wenn sich jemand dafür entscheidet, dass die Lebensphilosophie einer bestimmten Person, von nun an, auch die seine ist, wird durch diese Entscheidung, für eine bestimmte Philosophie, in den meisten Fällen, eher kein neues, zusätzliches Wissen geschaffen.
Und viele Lebensphilosophien sind, in der Mehrzahl, (ohnehin) nichts weiter als systematische Zusammenfassungen, eines bestimmten, bereits vorhandenen Wissens.

'In meiner Lebensphilosophie, sind viele meiner Einsichten, ÜBER mein bisheriges Leben, zusammengefasst!'

Mein Vorschlag, was Philosophie allgemein ist, lautet folgendermaßen:

JEDE Philosophie ist, allgemein, ein theoretisches Konzept;
und JEDES theoretische Konzept, ist eine Philosophie!

DENN:
Ein Koch, der gemäß einer bestimmten Koch-Philosophie kocht, folgt, in seinem Kochen, einem bestimmten theoretischen Konzept.

Ein Sportler, der nach einer bestimmten (Sport-)Philosophie trainiert, unterwirft sich, in seinem Training, einem bestimmten theoretischen Konzept.

Und jemand der über die Liebe philosophiert, entwickelt ein theoretisches Konzept, was Liebe ist bzw sein könnte.

Mir jedenfalls ist keine Philosophie bekannt, die kein theoretisches Konzept wäre!

Ob allerdings tatsächlich JEDES theoretische Konzept auch eine Philosophie ist, dessen, bin ich mir schon wieder nicht ganz so sicher :-)
DENN: Auch Tiere entwickeln theoretische Konzepte - zB: bestimmte Jagdstrategien.

Was hältst du von meinem Vorschlag?

LG Mulmi

Greeven hat gesagt…

Deine Einwände sind berechtigt. Hilfe schafft vielleicht eine Unterscheidung: es gibt die Philosophie und das Philosophieren.

Philosophie ist ein theoretisches Konzept. Das klingt gut. Was ich noch anfügen möchte ist, dass sich diese theoretischen Konzepte ("Wissensgebäude" geht auch, oder?) sich auch in den Handlungen der Menschen zeigen. Quasi "praktisch" werden. (Das hatte ich spontan vermisst, die Praxis.)
So ist eine Philosophie das "Geflecht" aus dem gemachten Wissen .

Philosophieren: Hier kommt jetzt mein Antwort-Frage-Dingens (keine Ahnung, wie ich das nennen soll). Das Philosophieren ist ein Prozess der Wissensanreicherung. Mir ist dabei auch schon das benötigte "Vorwissen" aufgefallen. Gefunden habe ich es in der Erkenntnis. Am Anfang brauch man eine Erkenntnis und dann beginnt das Fragen.